Tag 22 bis 28
Tag 22
Auf meiner Reise vom Schlafzimmer über das Wohnzimmer in die Küche dachte ich mir: „Wenn ich schon so weit gekommen war, konnte ich doch auch einfach weiter gehen.“ Als ich im Keller angekommen bin erkannte ich den wahren Segen eines bewohnbaren Kellers: Niemand hört deine Schreie, wenn du auf einen herumliegenden Legostein trittst.
Tag 23
Endlich es ist so weit. Nach 23 Tagen steht meine Hose von ganz allein und sie hat „Papi“ gesagt. Es ist so ein emotionaler Moment für mich. Aber…okay…ich sollte sie baden, ich glaube sie hat Bubu gemacht.
Tag 24
Hallo liebe Kinder. Heute machen wir ein kleines Gedankenspiel. Was wäre, wenn es nicht so wäre wie es im Moment ist? Doch was ist, wenn ich euch sage, dass es nie anders wäre als es im Moment ist. Denn wäre es anderes, würde es von unserer Empfindung her trotzdem so sein wie es ist, da wir ja nicht wissen können wie es anders wäre als es eigentlich ist. Und jede andere Realität, zum Beispiel wo keine Ausgangsbeschränkung herrscht, würde für uns zu unserer neuen Gegenwart werden – zu unserem neuen Ist-Zustand. Also müsste es korrekt heißen: Was ist, dass ist – aber das ist eine andere Geschichte.
Tag 25
Als der morgendliche Schleier, der meine Augen trübte von mir abfiel, wie die Schuppen einer isolationsstrapazierten, trockenen Kopfhaut, wurde mir bewusst, dass ein weiterer Tag angebrochen war. Ein weiterer Tag, an dem es kein Entrinnen gab vor den eigenen vier Wänden, die sich mittlerweile wie eine zweite Haut an meinem Körper anschmiegten, wie der liebevolle Würgegriff einer Boa-Constrictor die seit 25 Tage nichts gegessen hat. Mir war sofort klar, dass nicht einmal der Stärkste Kaffee etwas bewirken…hmm…okay…vielleicht doch.
Tag 26
Als wir uns am Anfang fragten, wohin wir kämen, wenn das so weiter geht mit Corona, war uns die Regierung bereits weit voraus und fragte sich, wohin wir wohl tatsächlich kämen, wenn wir mal gingen um zu sehen wohin wir kommen könnten, wenn wir auch wirklich gingen. Doch sie revidierte die Aussage sogleich und meinte: Ihr sollt nicht weit gehen um zu sehen wohin ihr kommen könnt, sondern zu Hause bleiben. Da viele Menschen damit nicht klarkamen und trotzdem gingen, um zu sehen wie weit sie gehen könnten, ohne bestraft zu werden, relativierte die Regierung ihre Aussage und gab Optionen: Die einen dürfen zu Hause bleiben – die anderen müssen. Klingt komisch, ist aber so.
Tag 27
Mein Stoff geht mir aus. Der nächste Dealer meines Vertrauens, wird aber frühestens in ein paar Tagen wieder Zeit für mich haben – verdammtes „social distancing“. Ich bin nervös, unkonzentriert, muss dauernd in den Spiegel schauen, um mir einzureden, dass das schon okay ist wie ich im Moment aussehe und ich mich nur zu beruhigen brauche, damit es mir wieder besser geht. Ich brauche diesen Stoff aber. Schaut einfach Scheisse aus, wenn der Bauch langsam unter meinen Baumwolle T-Shirt hervorquillt. Vielleicht kann ich ja den Osterhasen das Fell über die Ohren ziehen und mir Stoff für ein XXL T-Shirt selber herstellen…
Tag 28
Heute, liebe Leute – beginne ich nicht wie üblich, sondern mit einem Gedicht.
Ist die Stimmung auf trüglich, trüblich, nicht üblich – diesen Spaß nehm‘ ich mir nicht.
Ein weiterer Tag hat begonnen, die Zeit ist verronnen, aber leider nicht wie im Flug.
Drum – Stay at Home – sei Klug.
Sonst dauert der Schmarrn noch länger als uns lieb ist
und dann finden wir unsere Frisuren langsam nicht mehr so niedlich.
Unsere Bäuche wachsen zum Quadrat,
manche würden sagen wir werden blad.
Mein Bauch auch, denn ich mach die Quarantäne Diät
und esse deshalb aus Langeweile von früh bis spät – Mahlzeit.



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